Dr. Christoph Winterer Kirchenbauten und die Veränderungen durch die Reformation

Die Reformation, soweit sie lutherisch geprägt war, brach nicht radikal mit der abendländischen Kirchbautradition und erzwang gewöhnlich keinen völligen Umbau von Kirchen.

Bildunterschrift: Blick in die ehemalige Franziskanerkirche in Frankfurt, Holzschnitt 1653. In dem später durch die Paulskirche ersetzten Bau sind Altar und Lettner auch ein Jahrhundert nach der Reformation noch an ihrem Platz, die Kanzel erscheint aber als Zentrum. (Bildquelle: Wikimedia Commons)

Auch war es keineswegs das erste und einzige Mal in Westeuropa, dass sich die Vorstellungen über die Ausstattung und Grundstruktur von Kirchen wandelten. Vielmehr ist die christliche Sakralarchitektur von den Anfängen bis jetzt einem ständigen Umformungsprozess unterworfen, der eng mit dem zusammenhängt, was die jeweilige Zeit und Konfession unter “Gotteshaus“ versteht. Der frühe Kirchenbau orientierte sich anscheinend an den Gemeinde-Synagogen, doch spätestens mit der Konstantinischen Wende erhielten die Gotteshäuser Züge der römischen Staatsarchitektur. Ebenfalls in der Antike begann man damit, die Kirchen immer mehr wie den Jerusalemer Tempel als sakrale Räume zu sehen, in denen bestimmte Bereiche noch einmal besonders geheiligt sind. Vorstellungen dieser Art wurden im Luthertum nicht vollständig abgelehnt, aber doch stark abgeschwächt; regelmäßig wurde hingegen die Kanzel als Ort der Verkündigungaufgewertet.