Bibelmarathon am 2. September Wochenende in Frankfurt

Reformationsjubiläum Vom Miteinander der Konfessionen
Von Die Höhepunkte der Ökumene in Nied zum Reformationsjubiläum wurden am Wochenende gefeiert. Gottesdienst und Prozession am Sonntag war ein Bibellesemarathon am Samstag vorangegangen.

Die großen Papp-Aufsteller von Luther und Papst Franziskus waren gestern bei der Prozession durch Nied mit von der Partie. Bilder > Foto: Maik Reuß Die großen Papp-Aufsteller von Luther und Papst Franziskus waren gestern bei der Prozession durch Nied mit von der Partie.
Nied.  „Sola Scriptura“ – allein durch die Schrift, allein in der Bibel – das ist ein Kernsatz von Martin Luther. Die Bibel ist die einzige Quelle und Norm des christlichen Glaubens. „Das älteste christliche Dokument, die Bibel, ist eben auch am nächsten dran an Jesus Christus, an seinem Leben und an dem, was er gesagt hat“, bekräftigte Pfarrerin Charlotte von Winterfeld gestern im ökumenischen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum in der Christuskirche in Alt-Nied. Die Betonung der Heiligen Schrift als alleinige Autorität war zu Luthers Zeiten auch eine Abgrenzung zur römisch-katholischen Kirche: „Im Mittelalter war es üblich, dass die Heiligen Schriften durch die Brille der Kirchenväter und Konzilsbeschlüsse gelesen wurden, dass die Priester sagten, wie man die Bibel verstehen soll“, sagte Pfarrerin von Winterfeld.„Denn wir sollen eins sein“ war gestern das Motto des ökumenischen Gottesdienstes zum Reformationsjubiläum in der evangelischen Christuskirche, der nach einer gemeinsamen Prozession in der katholischen Kirche St. Markus endete. Pfarrerin von Winterfeld, Pfarrer Joachim Preiser und Vikarin Dr. Annegreth Schilling auf evangelischer Seite und Pfarrer Rolf Glaser, Pastoralreferent Ralf Albensoeder und Gemeindereferentin Verena Nitzling gestalteten die Liturgie.

Immer verbunden

Bei der Prozession wurde die älteste Nieder Lutherbibel – sie stammt aus der Zeit der Weihe der Christuskirche um 1908 – unter dem katholischen Fronleichnams-Baldachin durch die Straßen bis nach St. Markus getragen. Hans-Joachim Buley, seit einem halben Jahrhundert Kirchenvorsteher der evangelischen Gemeinde Nied, trug die Bibel auf dem ersten Abschnitt des Weges. In der Kirche hatte er zuvor erklärt: „Die Geschichte der Protestanten in Nied ist unauflöslich mit der Geschichte der Katholiken verbunden.“ Seit 1828 haben evangelische und katholische Christen die Christuskirche als „Simultankirche“ genutzt, das heißt, Gottesdienste beider Konfessionen wurden dort gefeiert.

Die katholischen Christen haben dann ihre eigene Kirche gebaut und sind 1907 nach St. Markus umgezogen. Im Mai 1908 gab es einen Festgottesdienst zur Einweihung der Christuskirche als rein evangelische Kirche. Zu diesem Anlass bekam die evangelische Gemeinde vom damaligen Superintendenten eine Altarbibel geschenkt – dieselbe, die gestern durch die Straßen getragen wurde. Sie spielt noch heute eine besondere Rolle.

Verse an der Haltestelle

Die Bibel unters Volk bringen, das war Luthers Motiv, und das versuchte der Arbeitskreis Ökumene – er plant seit fünf Jahren für das Reformationsjubiläum – auch am Samstag mit einem Bibellese-Marathon. Dort, wo die Straßenbahnen halten, lasen am Samstag prominente und weniger prominente Menschen über Stunden aus der Bibel, vor dem Rewe-Supermarkt an der Kreuzung Mainzer Landstraße / Alt Nied, an der Haltestelle „Nied Kirche“. Auch Stadtdekan Dr. Achim Knecht und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) lasen aus der Heiligen Schrift vor.

Feldmann und Schilling im Dialog

Zwischen den einzelnen Leseteilen gab es Livemusik. Parallel zu den Lesungen hatten Kinder und Erwachsene die Möglichkeit, im „Buch zum Bibellese-Marathon“, ihren biblischen Lieblingsvers oder ihre biblische Lieblingsgeschichte aufzuschreiben oder aufzumalen.

Die Prozession gestern wurde vom Blasorchester Höchst des Musikvereins Unterliederbach begleitet – und von Luther sowie Papst Franziskus, den von der Künstlerin Dina Draeger fürs Reformationsjubiläum gestalteten lebensgroßen Figuren.

Frankfurter Neue Presse am 22.08.2017

 

 

Die Kolpingfamilie in Hochheim am 13.08.2017

 

Im Interview mit der Allgemeinen Zeitung

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/hochheim/dina-draeger-zeigt-kunstwerk-beim-hoffest-der-kolping-familie-hochheim_18109363.htm

Das jährliche Kolping Hoffest lockte mit Essen und Trinken und netter Gesellschaft, Familien konnten sich auf ein Kinderprogramm mit vielen neuen Spielen freuen. Im Jahr des Reformationsjubiläums war außerdem das interaktive Kunstprojekt „Luther trifft Franziskus“ zu Gast im Hochheimer Vereinshaus zu erleben. Die lebensgroßen Statuen der Beiden sind auf Durchreise durch Deutschland und sollen zur Diskussion einladen.

„Gemischte“ Ehepaare der Kolping Familie, bei denen evangelische und katholische Grenzen keine mehr sind. Die Liebe ist stärker als die Zugehörigkeit. Das ist auch die Intention des Kunstprojektes.

Mitmachen kann jeder:

Kunstprojekt Luther trifft Franziskus

„Luther trifft Franziskus“ – Interaktives Kunstprojekt zum Lutherjahr am Hoffest der Kolpingfamilie Hochheim

Aus Anlass des Reformationsjubiläums hat die Künstlerin Dina Draeger zwei lebensgroße Figuren von Martin Luther und Papst Franziskus geschaffen. Die Idee geht auf eine Ausstellung im Jahr 2014 zurück, bei der die „Heiligen der Linie 11“ in Frankfurt Passanten begegneten uns sie zum Gespräch und zur Begegnung einluden. Nun sollen in einer interaktiven und kommunikativen Kunstaktion Menschen mit den Figuren Martin Luther und Papst Franziskus konfrontiert werden. Am Sonntag, dem 13. August am Hoffest der Kolpingfamilie in Hochheim. Vorher waren und werden die Figuren viel unterwegs sein: In den Bahnen oder an Haltestellen werden Luther und Franziskus in Form von Aufstellern mit Assistentinnen und Assistenten oder Moderierenden unterwegs sein und Fragebögen an die Passanten mit der Bitte verteilen, diese zu beantworten. Wenn diese einverstanden sind, können sie sich mit den Figuren fotografieren lassen.

Die Resultate als Digitalprints oder als Polaroid, damit die Antwortenden auch dem richtigen Antwort-Bogen zugeordnet werden, werden an den Ausstellungsorten und an entsprechenden Veranstaltungsorten eine Ausstellung entstehen lassen, die während der Aktion immer weiter wächst. Die Dauer der Aktion und Ausstellung ist bis November 2017 geplant.

Gemischtes Quartett: Kolping ist auch dabei

Luther trifft Franziskus: Interaktives und kommunikatives Kunstprojekt

Warum diese beiden? – Bei Luther liegt es auf der Hand. Und warum Papst Franziskus? – Der Kontrahent Luthers war der das Papsttum verkörpernde Papst. Franziskus ist der aktuelle Papst und dazu noch medienwirksam. An ihm können Themen festgemacht und (auch kontrovers) diskutiert werden, für die Luthers Reformation unter anderem steht: Allgemeines Priestertum, Frauen, Ökumene, Einheit der Christen, Reform von Kirche (semper reformandum) und Kurie, Verhältnis zu den Religionen der Welt und weitere Fragen, die unser Zusammenleben betreffen.

In den Themen, die die Menschen an diesen beiden Figuren festmachen, zeigen sich die „Wechselspannungen“. Beide werden in Kirchen, Schulen, öffentlichen Räumen und sogar in der Straßenbahn als Figuren präsent sein und den Dialog anstoßen: Was hätten die beiden sich heute zu sagen? – Was hätten/haben wir ihnen zu sagen? – Was bedeutet Reformation der Kirche heute? – Was „feiern“ wir da eigentlich?

Herzliche Einladung, am interaktiven Kunstprojekt zum Lutherjahr mitzumachen! Die Kolpingfamilie Hochheim ist gespannt – zumal etwa jedes 10. Mitglied des „katholischen“ Sozialverbands evangelisch ist!

Die Fragen zum Mitmachen

  1. Worüber wären sich Martin Luther und Papst Franziskus heute einig?
  2. Worüber würden sich Martin Luther und Papst Franziskus heute streiten?
  3. Wenn Sie drei Wünsche bei Franziskus und Martin Luther frei hätten, was wären diese drei Wünsche?
  4. Was glauben Sie, wie würde unsere Welt heute aussehen, wenn die Reformation nicht stattgefunden hätte?
  5. In welchen Punkten wäre Martin Luther heute anderer Meinung als vor 500 Jahren? Was sollte Papst Franziskus in 500 Jahren über seine Kirche denken?
  6. Wie beeinflusst die Reformation Ihr tägliches Leben und welche Rolle spielen Martin Luther und Papst Franziskus in ihrem Leben?
  7. Wie groß ist der Einfluss von Luther und Franziskus auf unsere Politik und Gesellschaft?
  8. Was regt Sie am meisten auf, wenn Sie an die evangelische oder an die katholische Kirche denken?
  9. Was regt Sie am meisten an, wenn sie an Martin Luther oder Papst denken?
  10. Wenn Sie selber der Papst wären, was würden Sie als erstes tun?
  11. Und wenn Sie Martin Luther wären, der auf einer Zeitreise im 21. Jahrhundert landet, was würden Sie über die heutige Welt denken?
  12. Kennen Sie die beiden Männer?
  13. Die beiden (Martin Luther und der Papst vor 500 Jahren) waren einmal Feinde. Heute machen evangelische und katholische Christen viel gemeinsam. Aus Feinden sind Freunde geworden. Wo wünschen Sie sich besonders, dass aus Feinden Freunde werden?
  14. Wer ist Ihr größter Feind? Wie könnten Sie sich da eine Annäherung/Versöhnung vorstellen?
  15. Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott (Martin Luther). Woran hängen Sie Ihr Herz?
  16. Ein bisschen Barmherzigkeit verändert die Welt, macht sie weniger kühl und gerechter (Papst Franziskus). Was ist für Sie Barmherzigkeit? Können Sie ein Beispiel sagen?
  17. Was fällt Ihnen zum Thema Religion ein? (eher Feindschaft oder eher Frieden und Gerechtigkeit?)
  18. Gibt es ein Leben nach dem Tod?
  19. An was glauben Sie?
  20. Was finden Sie an Ihrer Religion/Konfession gut?
  21. Wo könnten die einzelnen Gläubigen bzw. die Vertreter Ihrer Religion/Konfession noch dazu lernen?
  22. Mit welchem der beiden Männer würden Sie sich gern fotografieren lassen? Oder mit beiden? Und warum?
  23. Dürfen wir Ihr Foto und Ihre Antworten auf unsere Internetseite stellen?
  24. Was würden Sie noch für Fragen stellen?

 

Wer ist die Künstlerin, die Luther und Franziskus gestaltet hat?

Dina Draeger ist 1966 geboren, hat Malerei, Fotografie, Medienkunst, Philosophie und Kunstwissenschaften an der staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe studiert. Ihre Lehrer waren u.a. Hans Belting, Marie Jo Lafontaine und Peter Sloterdijk. Sie stand neben zahlreichen Ausstellungen und Kunstprojekten 11 Jahre lang als Kabarettistin auf der Bühne. Seit 1988 ist sie in der Kunstszene vertreten und vor allen durch ihre grossen Bilder von Menschen, den „No Names“ vor farbigem Hintergrund bekannt.

Mit provokativen Projekten wie diesem möchte sie Menschen aller Kulturen und (Nicht-)Glaubensrichtungen zu einem kritischen und toleranten Dialog einladen.

Am Pfingstmontag stellt die Aktion auf dem Römerberg vor.

Dina Draeger (Künstlerin), Luther, Franziskus, Armin Nagel (Projektleiter)